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Das Referenzertragsmodell schnell erklärt

 

In diesem Jahr wird das EEG nochmals novelliert. Dabei spielt das sogenannte Referenzertragsmodell eine wichtige Rolle. Es soll in dem geplanten Ausschreibungsverfahren die räumliche Verteilung der Stromerzeugung aus Windenergieanlagen steuern und vergleichbare Wettbewerbsbedingungen an unterschiedlichen Standorten gewährleisten. Eine aktuelle Publikation des Bundeswirtschaftsministeriums erläutert, wie es funktioniert.

Das letzte Jahr war nach 2014 das zweiterfolgreichste Jahr des Windenergieausbaus in Deutschland. Das belegt das von der Bundesnetzagentur geführte Anlagenregister. Einer Auswertung dieser Daten durch die Fachagentur Wind an Land zufolge wurden im vergangenen Jahr 1.250 Windenergieanlagen mit insgesamt 3.415 Megawatt Leistung in Betrieb genommen. In Nordrhein-Westfalen wurden im Jahr 2015 in 16 Landkreisen 130 neue Windenergieanlagen in Betrieb genommen. Zudem waren zum Jahresende Genehmigungen für 98 neue Windenergieanlagen in 12 Kreisen registriert. Im Ländervergleich liegt Schleswig-Holstein als besonders windreiches Bundesland erneut vorn. Damit der Ausbau der Windenergie über ganz Deutschland verteilt wird und sich nicht nur in windstarken Regionen konzentriert, wurde im Jahr 2000 das sogenannte Referenzertragsmodell eingeführt. Es ist eine Berechnungsblaupause. Sie ermöglicht es, die Höhe der EEG-Vergütung für eine Windenergieanlage nach Standort und Ertrag zu differenzieren. Ein aktueller Beitrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erklärt ausführlich, was sich hinter dem sperrigen Namen verbirgt.

Anstehende EEG-Novellierung
Denn in diesem Jahr wird das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nochmals novelliert und die Ermittlung der Förderhöhen auf technologiespezifische Ausschreibungsverfahren umgestellt. Auf diesem Wege sollen eine höhere Kosteneffizienz, aber auch eine Mengensteuerung und damit eine bessere Planbarkeit der Ausbauziele für die Energiewende gewährleistet werden. Kann damit aber auch weiterhin eine sinnvolle großräumige Verteilung im Land auch an windschwächeren Standorten wie in NRW gewährleistet werden? Dazu muss das sogenannte Referenzertragsmodell an die neue Systematik angepasst werden. Das Modell soll das Ungleichgewicht ausgleichen, das zwischen Bietern an windstarken und windschwachen Regionen in einem künftigen Ausschreibungssystem entsteht. Ein Korrekturfaktor passt den gebotenen Preis nach oben oder nach unten an. Dieser ist an windschwachen Standorten höher und an windreichen Standorten niedriger. Vereinfacht gesagt heißt das: Wo besonders viel Wind weht und die Erträge hoch sind, gibt es pro eingespeister Kilowattstunde etwas weniger Geld. Wo der Wind schwächer ist, steigt die Vergütung.

Windenergievorhaben jenseits der realen Wetterbedingungen vergleichbar
Mithilfe des Referenzertragsmodells werden Gebote für neue Windenergieanlagen unabhängig von ihren realen Wetterbedingungen miteinander vergleichbar. So soll nicht nur der notwendige Wettbewerb zwischen Ausbauvorhaben an unterschiedlichen Standorten ermöglicht werden. Es soll auch die großräumige Verteilung der Anlagen im Land in Zukunft sichern. Das hat klare energiewirtschaftliche Vorteile: Der Windstrom wird so deutlich stetiger in die Netze eingespeist, der aufwändige Ausbau großer Überlandstromtrassen lässt sich minimieren. Zudem kann die zukünftige Einspeisung besser vorausgesagt werden.

Wie der Referenzertragswert künftig genau berechnet werden soll, ist im Eckpunkte-Papier für das EEG 2016 niedergelegt. Dieses befindet sich derzeit noch in der politischen Diskussion.

Bildnachweis: Frank Andreas Jütte/pixelio.de

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