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Regelenergiemärkte als Trittleiter zur Systemintegration Erneuerbarer Energien

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Mit der Umstellung des Energieversorgungssystems auf immer höhere Anteile Erneuerbarer Energien, die wetterabhängig einspeisen, verändern sich die Anforderungen an die Netze, an die Märkte und an den Rechtsrahmen. Da die Integration der Erneuerbaren Energien schrittweise erfolgt, werden nach und nach die regulatorischen Rahmenbedingungen an die veränderten Bedürfnisse der Marktteilnehmer angepasst. Gleichzeitig wird die Erwartung, dass die Erneuerbaren Energien Systemverantwortung übernehmen immer größer.

Fachbeitrag von Judith Litzenburger, EnergieAgentur.NRW

Zu einem Zeitpunkt, an dem Sonne, Wind und die regelbaren regenerativen Energien rund ein Drittel der Stromversorgung stellen, stehen diejenigen, die sie vermarkten wollen, vor der Herausforderung, in den bestehenden Energiemärkten Erlösoptionen zu generieren und sich zur Erschließung neuer Geschäftsfelder an die bestehenden Rahmenbedingungen anzupassen.

Der Regelenergiemarkt, der im bisherigen Energiesystem überwiegend von Pumpspeicher- und Großkraftwerken besetzt wurde, bietet zunehmend auch den regenerativen Energien Marktchancen. Die Aufgabe des Regelenergiemarktes ist es, die Netze stabil zu halten, indem er Stromerzeugung und -verbrauch ins Gleichgewicht bringt. Wenn eine Unterspannung droht, wird positive Regelenergie in Form von erhöhter Einspeisung benötigt. Drückt zu viel Strom in die Netze, so wird negative Regelenergie, also eine Reduktion der Einspeisung oder Anhebung des Verbrauchs, benötigt. Je nachdem, wie kritisch die Netzsituation ist, kommt Regelenergie in unterschiedlichen Qualitäten zum Einsatz. Hierzu unterschiedet man zwischen Primärregelleistung (PRL), die als schnellste Form der Regelenergie innerhalb von 30 Sekunden bereit stehen muss, der Sekundärregelleistung (SRL), die nach spätestens fünf Minuten die Primärregelleistung ablöst und der Minutenreserve (MRL), die mit einem Vorlauf von maximal 15 Minuten zum Einsatz kommt. Nachdem Biomasse- und Biogasanlagen bereits regelmäßig Regelenergie anbieten, leisten nun erstmals auch Windenergieanlagen diese Systemdienstleistung.

Zwar kann man Sonne und Wind nicht steuern, aber sehr wohl auf sie reagieren. Das zeigt jetzt in einem Pilotprojekt der norwegische Staatskonzern Statkraft im Netzgebiet des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz. Statkraft hat deutschlandweit den ersten Windpark für die Regelenergievermarktung präqualifiziert. Um an Ausschreibungen teilnehmen zu können, müssen bestimmte Anforderungen erfüllt werden, die so genannten Präqualifikationen. Diese legen beispielsweise die technischen Anforderung oder die Größe und Anlagenzusammensetzung im Windpark fest. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatten die Übertragungsnetzbetreiber einen Leitfaden heraus gegeben, der die Präqualifikationsanforderungen für den Regelenergieeinsatz von Windenergieanlagen genau definiert.

In einem Kooperationsprojekt mit dem Unternehmen energy & meteo systems, das unter anderem Vorhersagemodelle für Windleistung rechnet, dem Windkraftanlagenhersteller Enercon und der mecklenburg-vorpommerischen Ingenieur- und Projektentwicklungsgesellschaft Wind-Projekt, hat Statkraft zwei Windparks mit 89 MW installierter Leistung gepoolt und kann so 60 MW negative Minutenreserve handeln. Damit soll der Beweis erbracht werden, dass eine netzseitige Systemstabilisierung durch Windkraftanlagen möglich ist. Auch der in Aachen sitzende Stadtwerkeverbund Trianel verfolgt diese Idee mit seinem virtuellen Regelkraftwerk und bemüht sich gemeinsam mit dem Windenergieunternehmen Enertrag und dem Direktvermarkter Green Energy Systems (GESY) ebenfalls um eine Präqualifikation.

Der Regelenergiemarkt ist ein relativ kleiner Markt, der von den Übertragungsnetzbetreibern differenziert nach Regelleistungsarten transparent ausgeschrieben wird. Für den Zeitraum vom 14. bis zum 20. März 2016 lagen die Werte gerundet bei 0,8 GW Primärregelleistung, 2,1 GW positiver und 2 GW negativer Sekundärregelleistung sowie Minutenreserve in einer Größenordnung von 2,1 GW positiver und 2,4 GW negativer Regelenergie. Daher ist abzusehen, dass sich die Erneuerbaren Energien und deren Vermarkter auch in Zukunft neue Märkte innerhalb des Versorgungssystems erschließen werden.

Gleichzeitig erarbeitet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) über den so genannten Grünbuch-Weißbuch Prozess, aus dem das derzeit im Parlament befindliche Strommarktgesetz hervorgegangen ist, ein Design für die Energiemärkte, das den Anforderungen von Netzstabilität und Versorgungssicherheit auch bei hohen Versorgungsanteilen fluktuierender Erneuerbarer Energien gerecht wird.

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