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Windenergie im Wald: Bericht über Bau- und Betriebsmonitoring liegt vor

Der Ausbau der Windenergienutzung dringt in die Wälder vor. Welche Auswirkungen Windenergieanlagen auf waldbewohnende Arten und den Naturhaushalt haben, ist noch nicht ganzheitlich untersucht worden. Um die bislang lückenhaften Kenntnisse und Daten zum Verhalten von Vögeln und Fledermäusen rund um Anlagenstandorte im Wald zu verbessern, hat ein dreijähriges Forschungsvorhaben Fachliteratur ausgewertet und die Erkenntnisse mit einem eigenen Bau- und Betriebsmonitoring untermauert. Jetzt liegt der Abschlussbericht vor.

Die bewaldeten Höhenlagen der Mittelgebirge bieten gute Windverhältnisse und sind damit interessante Standorte für die Windenergienutzung. Die technische Entwicklung hat größere Anlagentypen hervorgebracht, die die turbulenzarmen Zonen über den Baumkronen erreichen. Sollen die energiepolitischen Ziele erfüllt werden, sind waldreiche Bundesländer auf die Öffnung des Waldes für die Windenergienutzung angewiesen. Das Vordringen der Windenergie auf Forstflächen wirft ein neues Schlaglicht auf den Artenschutz. Auf viele Fragen rund um die planerische Konfliktbewältigung kann die Wissenschaft noch keine exakten Antworten liefern. Denn bislang liegen zwar Studien für einzelne Arten vor, jedoch gibt es keine Forschungsarbeiten, die die Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Waldvogelgesellschaften und andere Waldtierarten insgesamt untersuchen. Vollständige Datenerhebungen zu waldbewohnenden und windenergiesensiblen Arten fehlen, vor allem in solchen Regionen, deren Wälder bislang noch nicht für den Ausbau der Windenergie genutzt werden.

Rückschlüsse von Offenland auf Waldgebiete
Anders als im Offenland auf Äckern, Feldern und Wiesen gestaltet sich der Schutz von Vögeln und Fledermäusen im Wald daher aufwändiger und schwieriger. Die lückenhafte Datengrundlage erschwere die rechtssichere Genehmigungsentscheidung, beschreibt Marc Reichenbach, Geschäftsführer der Arbeitsgruppe für regionale Struktur- und Umweltforschung (ARSU), die herrschende Verunsicherung in Planungsbüros und Behörden. In der Praxis stützten sich artenschutzfachliche Gutachten für Anlagenstandorte im Wald, die im Rahmen der Genehmigungsverfahren eingeholt werden müssen, in Ermangelung spezifischer Daten für waldbewohnende Arten auf den Kenntnisstand für Offenlandstandorte. Häufig werde mit Analogieschlüssen gearbeitet.

Zwölf Windparks im Wald untersucht
Um die Lücken zu schließen, hat die ARSU in Kooperation mit dem Freiburger Institut für Angewandte Tierökologie, der Technischen Universität Berlin – Fachgebiet Umweltprüfung und Umweltplanung – sowie der Firma JUWI im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ein dreijähriges Forschungsvorhaben durchgeführt. Ziel war es, bestehende Erkenntnisse aus der Fachliteratur und Einzelstudien zu bündeln, um daraus waldspezifische Fragestellungen für die eigenen Untersuchungen über zwei Jahre an zwölf Windparks auf Mittelgebirgsstandorten und Erhebungen in Referenzgebieten abzuleiten. Im Fokus des Vorhabens standen Vögel und Fledermäuse. Darüber hinaus haben die Studienautoren auch die Auswirkungen auf Wildkatzen, auf Pflanzen und Biotope und auf andere Schutzgüter wie die Erholungsfunktion des Waldes für den Menschen, Boden und Klima untersucht.
Ein weiterer Ansatz des Vorhabens war, einen Überblick über die gängige gutachterliche Praxis bei der Konfliktbewältigung auf Genehmigungsebene zu schaffen. Dafür haben die Studienautoren Informationen aus Gutachten für bereits realisierte Windenergieprojekte im Wald gebündelt und ausgewertet. Aus den Erkenntnissen wurden Empfehlungen für die sachgerechte Konfliktbewältigung und zu den Untersuchungsmethoden für einzelne Artengruppen abgeleitet.

Weiterer Forschungsbedarf
Zu den eindeutigen Erkenntnissen bei waldbewohnenden Vogelarten gehört, dass die Forscher bezüglich der Gesamtsiedlungsdichte von Vögeln keine signifikanten Unterschiede in der Brutpaardichte und den Artenzahlen zwischen windparknahen Waldflächen und Referenzflächen feststellen konnten. Hinsichtlich der Vertreibungswirkung, die Windenergieanlagen im Wald auf Vogelarten haben können, legten die vorliegenden zweijährigen Untersuchungen allerdings weitere umfangreichere Forschungsanstrengungen nahe. Zwar zeichneten sich bei einzelnen Vogelarten wie Spechte und Mäusebussarde gewisse Beeinträchtigungen ab. Auf der Basis der derzeitigen Datenlage seien sie jedoch statistisch nicht belastbar. Um die Ergebnisse hinreichend abzusichern und die Wissenslage zu verbessern, müssten Erfassungszeiträume und Stichprobenumfang erweitert werden, so die Schlussfolgerung der Studienautoren. Für abschließende Aussagen zur Auswirkung von Windenergieanlagen auf waldbewohnende Vogelarten sei der Datenbestand nach zwei Untersuchungsjahren nicht hinreichend.

Für Fledermäuse stellten die Forscher fest, dass die Unterschiede in der Aktivität der Tiere und in der Artzusammensetzung generell stärker durch regionale und artspezifische Unterschiede beeinflusst werden als durch Unterschiede zwischen Wald und Offenland. Vermeidungsmaßnahmen wie sie für das Offenland etwa im RENEBAT-Forschungsvorhaben entwickelt worden seien, ließen sich auf Waldstandorte übertragen. Es sei jedoch weitergehende Untersuchungen nötig, um Effekte von Schlagopfern an Windenergieanlagen auf die Population der Art nachzuweisen.
Viel weiteren Forschungsbedarf identifizierten die Studienautoren auch im Hinblick auf Erfassungsmethoden bei der Wildkatze und die tatsächliche Wirksamkeit von artbezogenen Vermeidungs- und Kompensationsmaßnahmen.

Reichenbach, M., R. Brinkmann, A. Kohnen, J. Köppel, K. Menke, H. Ohlenburg, H. Reers, H. Steinborn & M. Warnke (2015): Bau- und Betriebsmonitoring von Windenergieanlagen im Wald. Abschlussbericht 30.11.2015. Erstellt im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
Anhang zum Abschlussbericht

Bildnachweis: Rainer Sturm/pixelio.de

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