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Ergebnisse der 1. Ausschreibung für Windenergie veröffentlicht

Die Bundesnetzagentur hat die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der 1. Ausschreibungsrunde für Windenergieanlagen an Land veröffentlicht. Durchschnittlich erhalten die Bieter 5,71 Cent pro Kilowattstunde für ihren Windstrom, multipliziert mit einem standortabhängigen Korrekturfaktor. Zwei Drittel der Bieter waren Bürgerenergiegesellschaften, und 65 von 70 Zuschlägen gingen an diese Bietergruppe. Neun Zuschläge gingen an Projekte in NRW.

Mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die Anfang des Jahres in Kraft trat, wurde ein neues System zur Bestimmung der Höhe der Förderung von Windenergieprojekten an Land eingeführt. In Zukunft wird der für ein Projekt geltende „anzulegende Wert“, also die garantierte Vergütungshöhe für den produzierten Windstrom, in einem wettbewerblichen Ausschreibungsverfahren ermittelt. Es sollen also nur noch die Projekte gefördert werden, die den Strom am günstigsten erzeugen können (siehe auch „EEG 2017- die wichtigsten Änderungen“) . Die Bundesnetzagentur (BNetzA) ist mit der Abwicklung des Verfahrens betraut und hat am Freitag, den 19.05.2017, die Ergebnisse der 1. Ausschreibungsrunde veröffentlicht.

In dieser Runde wurden Förderberechtigungen für Projekte mit einer Gesamtleistung von 800 MW in ganz Deutschland ausgeschrieben. Beworben haben sich jedoch deutlich mehr Projekte – insgesamt 256 Gebote mit einer Leistung von 2137 MW wurden eingereicht. Mit einer 2,7-fachen Überzeichnung war der Wettbewerbsdruck deutlich stärker als erwartet, was nicht zuletzt an den 169 Geboten von Bürgerenergiegesellschaften lag, die ohne eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz an der Ausschreibung teilnehmen durften. Fast alle Bürgerenergieprojekte haben von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Sie haben damit maximal viereinhalb Jahre Zeit, ihre Projekte zu realisieren, also zwei Jahre länger als reguläre Bieter, die zudem bereits eine Genehmigung im Ausschreibungsverfahren vorweisen mussten.

Die Bieter mussten einen Gebotswert für einen Normstandort abgeben, der je nach Standortgüte des jeweiligen Projektes in der Praxis angepasst wird. Die Bieter durften maximal 7,00 Cent/kWh bieten. Der durchschnittliche Zuschlagswert, also der Gebotswert der erfolgreichen Gebote, lag mit 5,71 Cent/kWh deutlich darunter. Für einen typischen Standort in NRW mit 80% Standortgüte bedeutet dieser Wert 6,62 Cent/kWh Vergütungsanspruch. Dies ist voraussichtlich nicht wesentlich weniger, als Projekte, die noch nach dem EEG 2014 im Jahr 2018 in Betrieb gehen können, erhalten werden.

Neben dem Privileg, ohne BImSchG-Genehmigung teilnehmen zu dürfen, gelten für Bürgerenergiegesellschaften bei den Ausschreibungen weitere Sonderegeln. Unter anderem bekommen sie im Fall eines Zuschlags nicht den von ihnen gebotenen Wert als Vergütungshöhe zugesprochen, sondern den Gebotswert des höchsten gerade noch bezuschlagten Projektes in der jeweiligen Runde. Dieser lag in der 1. Ausschreibungsrunde bei 5,78 Cent/kWh bzw. 5,58 Cent/kWh im sogenannten Netzausbaugebiet. Insgesamt haben 65 Bürgerenergiegesellschaften somit einen Zuschlag über 5,78 Cent/kWh bzw. 5,58 Cent/kWh erhalten. Sie vereinen damit 96% des bezuschlagten Volumens. Auch die Erfolgsquote der Bürgerenergiegesellschaften ist mit 39% deutlich höher als von regulären Bietern (6%).

Kurzfristig zeigen die Ergebnisse, dass Bürgerenergiegesellschaften im Ausschreibungsverfahren gegen andere Bieter nicht nur bestehen können, sondern sogar Vorteile gegenüber regulären Bietern haben. Hier wäre aber eine genauere Analyse notwendig, wodurch die niedrigeren Gebotswerte ermöglicht wurden.

Da die Bürgerenergieprojekte noch nicht die häufig entscheidende Hürde der BImSchG-Genehmigung genommen haben, bleibt abzuwarten, wie hoch die Realisierungsrate der Projekte in den kommenden Jahren sein wird.

Ob der hohe Anteil von Bürgerenergieprojekten am Windenergiezubau also auch langfristig gehalten werden kann, ist mit den aktuellen Ausschreibungsergebnissen noch nicht gesichert.

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